Eine geile Zeit

Artur Oberhofer zum 20-jährigen Jubiläum der NEUEN SÜDTIROLER TAGESZEITUNG (2016)

Die Tageszeitung ist in militanter Sturheit ihren Weg gegangen. Und das ist gut so in einem Land, in dem sich eine Zeitung eine Partei hält.

Es ist schwierig, einen Liebesbrief an eine 20-Jährige zu schreiben. Denn was sagt, was schreibt man einer jungen, selbstbewussten, stolzen Dame? Gut schaust aus, würde ich einleitend sagen. Aus einer auf übel riechendem Schmirgel-Papier gedruckten Underground-Postille haben unsere Ästheten in der Grafikabteilung im Laufe der Jahre eine Miss Südtirol auf Glanzpapier kreiert. Das moderne Kleid passt zu Deinem Charakter: Du, liebe Tageszeitung, bist frech, ein bisschen wild, manchmal verwegen. Zuweilen tussig und zickig. Harsch. Starrköpfig. Polarisierend. Unberechenbar. Aber immer leidenschaftlich. Manchmal übereifrig und impulsiv. Und nicht selten auch ein bisschen schlüpfrig.

Artur Oberhofer (Foto: Alexander Alber)

Ich amüsiere mich köstlich über die Moralapostel, die sich über die Nackten auf Seite 3, pardon Seite 4 aufregen. Hat jemand unseren Freunden am Weinbergweg schon mal vorgeworfen, sie machten ein Geschäft mit den Toten? Recht hast Du, liebe Tageszeitung, wenn Du sagt: Lass die Leute reden. Das haben die Leute auch vor 20 Jahren getan, als Wetten abgeschlossen wurden, ob du drei Wochen oder zwei Monate überlebst. Die Sturm-und-Drang-Zeiten hast Du ohne größere Schrammen überstanden. Natürlich hast du oft über die Stränge gehauen, den Bogen überspannt. Das war gut so. Du hast in dieser eingeklemmten und verklemmten Provinz viele Tabus gebrochen. Du hast die Türen und Fenster des geschlossenen Hofes Südtirol weit aufgerissen. Du bist mit militanter Sturheit Deinen Weg gegangen, hast Dich immer wohltuend klar positioniert.

Gegen Neonazis und andere Zündler. Gegen gierige und nimmersatte Politiker. Für Max Leitner. Gegen die offizielle Wahrheit in den Ermittlungen zum Mordfall Christian Waldner. Für Alex Schwazer. Du hast immer wieder den Schwachen und den am gesellschaftlichen Rand Lebenden im Lande eine Stimme gegeben. Du hast nie den Mächtigen die Stiefel geleckt. Auch hattest Du einen Riesenspaß daran, die selbsternannten Sittenwächter und Heuchler zu ärgern, indem Du – schelmisch und genüsslich – mit wunderbarfrivolen Sex-Geschichten immer wieder die Grenzen des Schreibbaren, des boulevardesk Verträglichen ausgelotet hast. Wie weit darf man gehen in einem Land, in dem der Bischof im Landtag auftreten darf? Wie viel Lust und Sex verträgt eine Provinz, in der Menschen ein Abo abbestellen, weil die Laubensassa Unkeusches von sich gibt?

Du hast den Heuchlern und den moralkeuleschwingenden Saubermännern und -frauen im Lande gnadenlos den Spiegel vorgehalten. Du hast dazu beigetragen, dass ein bisschen Boulevard nicht mehr als journalistisches Sakrileg, sondern als etwas Unterhaltendes empfunden wird. Man/frau hat ja sonst nicht viel zu lachen. Diese Grenzgänge zwischen Mut und Übermut sind erfrischend. Sicher errötest Du manchmal heimlich, wenn Du Dich an gewagte Headlines wie „Der Schwanz des Jahres“, „Die Branzoller Cornuti“ oder „Lustschreie im Kondominium“ erinnerst. Aber das war gut so. Das Land braucht eine Minimaldosis an Verrücktheit und Entkrustung. Daher, liebe Tageszeitung. Werde nicht zu normal, nicht zu brav. Bitte nicht! Ein Land, in dem sich eine Zeitung noch immer eine Partei hält, eine Provinz, in der sich leider auch die neue SVP-Generation (mit der löblichen Ausnahme des LH) nicht aus der toxischen Umklammerung mit dem allmächtigen Medienkonzern zu befreien mag, braucht es selbstbewusste und nicht ferngesteuerte Medien.

Liebe Tageszeitung, die Zeit mit Dir war eine geile Zeit. Auch weil Dein Besitzer uns hat tun lassen. Daher: Auf weitere geile 20 Jahre! „Liebe Tageszeitung, Du hast in dieser eingeklemmten und verklemmten Provinz viele Tabus gebrochen. Du hast die Türen und Fenster des geschlossenen Hofes Südtirol weit aufgerissen.“

Spannende Bücher

Der „Zigeuner“-Franz

edition AROB

Er sieht die wunderschöne Frau und weiß: Das ist sie! Doch als sich Franz Runggatscher 1987 in die bildhübsche Maria verliebt, ahnt er nicht, welch radikale Wendung sein Leben nehmen würde. Maria ist die Tochter eines mächtigen Sinti-Stammesführers.
Morddrohungen, Kindsentführungen, waghalsige Fluchten und lebensgefährliche Versteckspiele: Franz Runggatscher erzählt in diesem Buch, wie er um die Frau seines Lebens gekämpft hat – und wie er in die gleichwohl geheimnisvolle wie faszinierende Welt der Sinti eingetaucht ist.
Eine turbulente Lebens- und eine rührende Liebesgeschichte, packend und einfühlsam erzählt, fesselnd wie ein Krimi.

Schlager, Tussis & Trallala

edition AROB

Peter Obexer ist ein waschechter Villnösser. Wie Reinhold Messner. Als Musikredakteur bei Rai Südtirol stand Peter Obexer auf allen Achttausendern der Schlagerwelt. In seinen Sendungen „Peters Music Box“ und „Wochenend & Sonnenschein“ hatte er alle großen Stars der nationalen und internationalen Musikszene zu Gast. In diesem Buch verrät Peter Obexer, wie er es trotz Sprachfehler zum bekanntesten DJ und Radiomoderator in Südtirol brachte. Er enthüllt die prickelnden Backstage-Geheimnisse der Sternchen und Stars. Er entzaubert die „Links a Madl, rechts a Madl“-Schunkelszene als Glitzerwelt voller Lügen und Intrigen, in der es um heiße Flirts geht. Um Kamele, Champagner & Koks. Und um eine falsche Miss Südtirol.

Die Abenteuer des kleinen Panda Luu

edition AROB

Lisi Lang hat ihr erstes Kinderbuch verfasst: Die Abenteuer des kleinen Panda Luu. Der kleine Panda Luu ist groß, kuschelig aber vor allem hilfsbereit und warmherzig. In fünf Kurzgeschichten erlebt der kleine Panda mit seinen Freunden Bella, einer starken und selbstbewussten Löwin, Toni, einem vorlauten kleinen Affen und Mia, einer schüchternen, aber sehr schlauen Füchsin, spannende Abenteuer: Sie finden einen Schatz, lösen das Rätsel um Kapitän L. Krause, basteln aus alten Dosen ein Telefon und bereits an ihrem ersten Schultag kommt die Feuerwehr. „Die Abenteuer des kleinen Panda Luu“ heißt das erste Kinderbuch von Lisi Lang. Die Kurzgeschichten sind für Kinder im Alter von 4 bis 10 Jahren konzipiert, als Vorlesebuch vor dem Einschlafen.

Die Puschtra Buibm

edition AROB

In diesem Buch schildert Siegfried Steger den Kampf der „Puschtra Buibm“ gegen den Staat Italien, schonungslos und ohne Beschönigung, eine atemberaubende Geschichte, die sich wie ein Roman liest, aber Wirklichkeit ist: von 1961 bis 1967 hält die Kampfgruppe ihren Guerillakampf durch, kann sich trotz Rasterfahndungen und militärischem Großaufgebot immer wieder der Verhaftung entziehen, versteckt sich über Wochen in Erd- und Felsbunkern, schlägt wieder zu und flieht zurück über die Berge.
Mit einem Vorwort von Hans Karl Peterlini.

Ver-Spielt! – Teufelskreis Spielsucht

edition AROB

An den tausenden Spielautomaten in den Bars und Gaststätten verzocken die SüdtirolerInnen eine Million Euro – pro Tag!
Nun bricht eine junge Frau aus dem Pustertal, Sylvia H., ein Tabu und spricht offen über ihre Krankheit, die Spielsucht. Sylvia H. schildert in dem Buch Buch „Ver-Spielt! – Teufelskreis Spielsucht“ wie sie binnen kurzer Zeit der Spielsucht verfallen ist. Das Buch bietet tiefe Einblicke in die Seele einer Spielerin.
Es ist das sachliche Lebensprotokoll einer Frau, die sich ihre Alkoholproblematik und Glücksspielsucht irgendwann eingestanden hat, die sich traut, Unsägliches aufzuschreiben, und sich im Spiegel betrachtet und sich aus dem Gewirr von Selbstbetrug und Täuschung der Anderen befreit hat.

Franz Hosp – Der ehrliche Gauner

edition AROB

Franz Hosp war Büropraktikant und Wilderer. Laienschauspieler und Autodieb. Heilpraktiker und Anlageberater. Versicherungsagent und Scheckbetrüger. Er war gerichtlich geprüfter Steuereinhebungsbeamter und Schmuggler.
Die Untaten des Franz Hosp gehören zum unterhaltungskulturellen Inventar Südtirols. Artur Oberhofer beleuchtet das Phänomen Franz Hosp aus ironischer Distanz. Arnold Tribus (Herausgeber der Neuen Südtiroler Tageszeitung): „Eine Abenteuergeschichte, erregend, beängstigend, bezaubernd wie ein modernes Märchen, ein poetischer Film, ein realer Traum.“

Mordfall Waldner

edition AROB

Am Abend des 17. Februar 1997 wurde am Reichrieglerhof oberhalb von Bozen die Leiche des Südtiroler Landtagsabgeordneten Christian Waldner aufgefunden. Getötet durch fünf Schüsse. Wenige Tage später wurde der Bildungsoffizier des Südtiroler Schützenbundes, Peter Paul Rainer, verhaftet.
In dem 500 Seiten starken Buch analysiert der Autor die Tat, überprüft die Beweise, er deckt Ermittlungsfehler und unbekannte Hintergründe auf.
Die Aufsehen erregenden Rechercheergebnisse Artur Oberhofers wurden in inländischen („Panorama“) und ausländischen Medien („Süddeutsche Zeitung“,
„profil“) zitiert.

Sigrid, pfiati!

edition AROB

Am 5. Mai 2002 starb Sigrid Durnwalder, die Tochter von Alt-Landeshauptmann Luis Durnwalder und Gerda Furlan, nach einer Darmoperation auf der Insel Fuerteventura. Als Gerda Durnwalder-Furlan ihre Tochter das letzte Mal besuchte, versprach sie ihr, ein Buch zu schreiben.
Mit dem im Mai 2005 erschienenen Büchlein „Sigrid, pfiati!“ löste Gerda Durnwalder-Furlan ihr Versprechen ein – und verabschiedete sich ein zweites Mal von ihrer geliebten Tochter. Gerda Durnwalder-Furlan widmet dieses Buch allen Müttern und Vätern, insbesondere denen, die ihr Kind verlieren mussten. „Denn es ist sehr schlimm, wenn jene, die nachkommen, vorausgehen …“

Ulrike R. – Der Versuch eines Lebens

edition AROB

Am 14. August 1998 entdeckten zwei Kanufahrer am Ufer der Rienz in Ehrenburg/Kiens in Südtirol die Leiche der 18-jährigen Ulrike Reistenhofer.
Die Grazer Studentin war mit einem Stein erschlagen worden. Die Staatsanwaltschaft in Bozen hat die Ermittlungen gegen mehrere Tatverdächtige eingestellt. Ulrike Maly, die Mutter des Mordopfers, hat dies zum Anlass genommen, ihr persönliches Tagebuch zu Papier zu bringen.
Die Autorin beschreibt ihre Beziehung zu Tochter Ulrike, sie spricht ihren persönlichen Tatverdacht aus – und sie schildert mit frappierender Offenheit, wie und woran ihre Ehe zerbrochen ist. Ulrike Maly bezeichnet ihr Buch als „Akt der Selbstheilung“.

Blinde Kuh I & II

edition AROB

Im Jahr 2000 veröffentlichte der Verlag „edition arob” eine Sammlung der besten Leitartikel des Herausgebers der Neuen Südtiroler Tageszeitung, Arnold Tribus.
Der zweite Band der Leitartikel-Sammlung von Tageszeitung-Herausgeber Arnold Tribus ist 2004 im Verlag „edition arob” erschienen.
Kurt Lanthaler: „Er ist beileibe kein fanatischer Savonarola und auch kein barocker Donnerer wie der Wiener Moralprediger Abraham a Santa Clara (17. Jhdt.), ja nicht einmal ein deutscher Knüppel-aus-dem-Sack-Schreiber ist er; was aber dann? Arnold Tribus ist eine Südtiroler Erfindung, und zwar erfunden von ihm selbst.“

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