Von Rotzbuam und -gitschn

Artur Oberhofer zum 15-jährigen Jubiläum der NEUEN SÜDTIROLER TAGESZEITUNG (2011)

Mit unserer Berichterstattung zum Mordfall Christian Waldner und anderen spektakulären Kriminalfällen in Südtirol haben wir ebenso polarisiert und schockiert wie mit den Sex-Geschichten. Dass aus einem Mix aus Mut, journalistischer Leidenschaft und Verwegenheit eine erfolgreiche Marke geworden ist, war nicht geplant.

Die Ausbeute war eher dürftig. Das, was die zehn Polizisten in meiner (damaligen) Wohnung in der Rauschertorgasse suchten – einen elfseitigen Brief von Peter Paul Rainer aus dem Gefängnis –, fanden sie nicht. Dafür übergab ich den verzweifelt Suchenden einen Mini-Klumpen Haschisch, der eh geschimmelt wäre, weil mir vom Kiffen nur schwindelig wird. Ach ja, zwei Pornohefte lagen auch irgendwo in einer Abstellkammer. Als Dr. Tarfusser mich im Rainer- Prozess genüsslich (und in der Absicht, mich als benebelten Zeugen hinzustellen) fragen ließ, was denn im Zuge der Hausdurchsuchung gefunden worden sei, war ich auf die gemeine Frage gefasst – und konterte meinerseits mit einer kleinen Gemeinheit: „Ich bedanke mich im Nachhinein, Herr Dr. Tarfusser, dass Sie mir die Polizei ins Haus geschickt haben, man hat zwei verstaubte Pornohefte gefunden, die Ihre Beamten beim eifrigen Durchblättern leider beschädigt haben.“ Gelächter im Saal. Diese Episode aus dem fernen Jahr 1997 fällt mir immer wieder ein, wenn ich an die Anfänge unserer Zeitung zurückdenke.

Artur Oberhofer (Foto: Alexander Alber)

Als einziges Medium im Lande waren wir im Mordfall Christian Waldner eine nicht „regimetreue“ Linie gefahren, mit der Konsequenz, dass wir von der „Tageszeitung“ für den Staatsanwalt und für die Ermittler die Ver-Rückten waren. Ganz unrecht hatten sie ja nicht, denn erstens konnten nur Ver-Rückte in jener Zeit daran glauben, dass sich im Ebner- Land eine zweite deutschsprachige Tageszeitung würde etablieren können. Zweitens: Sich denn auch noch gegen den Koloss Justiz zu stellen – ob in den „Ein Tirol“-Prozessen oder bei Mordermittlungen –, grenzte schon an medienpolitischen Masochismus. Die Rechnung ließ nicht lange auf sich warten. Unser Sturm und Drang hat uns viele Prozesse und eine ganze Menge (auch ungerechtfertigter) Verurteilungen eingebracht, so dass wir heute mit Stolz behaupten können: Die Wohnung, in der der Richter Soundso wohnt, gehört ein bisschen uns. Auch die Nobelkarosse, mit der ein bekannter Anwalt durchs Land fährt, ist, strenggenommen, mit „Tageszeitung“-Geldern geleast worden.

So mancher von uns Gepiesackten nahm’s mit Humor. Ich kann mich noch gut an den Richter Mori erinnern, den wir in einer unserer ersten Ausgaben beleidigt hatten – zumindest empfand er dies so. Als ich ihm nach unserer Verurteilung im Gerichtspalast begegnete, machte ich mir fast in die Hose. Doch Dr. Mori legte einen Arm auf meine Schulter und sagte: „Caro Oberhofer, nichts für ungut, mit eurem Geld mi son fatto un bel computer, amici come prima.“ Sicher, wir haben Lehrgeld bezahlt. Wir haben Prozesse verloren, Buße getan und geblecht, unzählige Male haben uns die Hüter der Standes-Moral vor das Journalistenkammer-Tribunal nach Trento zitiert, wo wir voller Demut versprechen mussten, dass wir bessere Menschen würden, aber wir haben ständig Leser dazugewonnen – und mit der Zeit auch den Respekt und die Wertschätzung der einstmals von uns „Beschossenen“.

Wir haben polarisiert. Wir wurden gehasst, oder besser: Gefürchtet, aber wir wurden auch geliebt, oft auch heimlich, denn es gab in Südtirol eine Zeit, da durften Politiker, Kirchenleute und weltliche Amtsträger nicht laut sagen, dass sie sich eine Geliebte in Gestalt der zweiten Tageszeitung hielten.

Buchserie „Die großen Kriminalfälle“

Die großen Kriminalfälle X

edition AROB

Zwei junge Männer liefern sich in der Nacht auf den 8. Dezember 1991 ein wahnwitziges Autorennen auf der Strecke von Gargazon nach Bozen.
In der Romstraße kommt es zu einem Unfall. Und dann fällt ein Schuss …
Am 15. Mai 2001 erstattet Guido De Villa eine Vermisstenanzeige. Seine Schwester Michela De Villa ist seit 9. März 2001 verschwunden. Ihre Spuren verlieren sich in einem schmuddeligen Sexshop in Bozen. Wenige Wochen später wird auf einem Areal unweit des Bozner Flughafens eine Frauenleiche entdeckt. In einem Misthaufen.

Die großen Kriminalfälle IX

edition AROB

Am 12. Juni 1997 um 15.27 Uhr betritt ein vermummter Mann die Sparkassen-Filiale in der Gampenstraße in Meran. Er springt auf den Banktresen und feuert einen Warnschuss ab. Mit einer Beute von zehn Millionen Lire verlässt der Räuber kurz darauf die Bank. Ein Carabiniere, der sich zufällig in der Bank aufgehalten hat, nimmt die Verfolgung des Bankräubers auf. Kurz darauf fallen zwei Schüsse. Candeloro Zamperini liegt im Vorgarten eines Kondominiums in einer Blutlache. Was ist an jenem verhängnisvollen Juni-Tag in Untermais wirklich passiert? Wo hat sich der Bankräuber versteckt? Wer hat ihn „verraten“? Und: Wie steht Florian Egger heute zu seiner Tat?

Die großen Kriminalfälle VIII

edition AROB

Am 3. August 1974 wird in Tramin der Landwirt Walter Wenter mit starken Vergiftungserscheinungen in seinem Bett aufgefunden. Der 45-Jährige stirbt wenige Tage später im Krankenhaus von Bozen. Walter Wenters Lebensgefährtin Cäcilia Schwienbacher gerät unter dringenden Tatverdacht.
Am Ostermontag 2002 wird in Wahlen in der Gemeinde Toblach die Leiche von Maria Fronthaler aufgefunden. Die 74-Jährige wurde vergewaltigt und so lange mit Fußtritten traktiert, bis sie an einer Herzquetschung starb. Erstmals in der italienischen Kriminalgeschichte wird eine DNA-Rasterfahndung durchgeführt mit spektakulärem Ausgang.

Die großen Kriminalfälle VII

edition AROB

Am Morgen des 12. Oktober 1988 wird im Weiler Tulfer im Wipptal die Bäuerin Maria Weissteiner schwerverletzt aufgefunden. Die 68-Jährige stirbt wenige Stunden später. Die Bäuerin wurde mit einer Spitzhacke erschlagen. Der Fall scheint klar – ist allerdings bis heute ungeklärt.
Am Morgen des 28. November 2001 wird in einer Obstwiese in Marling die Leiche eines jungen Mannes aufgefunden: Andreas Plack, 23. Das linke Knie ist zerfetzt. Die Staatsanwaltschaft geht zunächst von einem Unfall aus. Doch schon bald wird klar: Die Ermittler haben es mit einem der spektakulärsten Fälle der Südtiroler Kriminalgeschichte zu tun.

Die großen Kriminalfälle VI

edition AROB

Am 3. Jänner 1985 wird die 15-jährige Schülerin Marcella Casagrande tot in ihrer Wohnung in Bozen aufgefunden. Wenige Monate später wird die 41-jährige Lehrerin und Prostituierte Anna Maria Cipoletti in ihrer Wohnung tot aufgefunden. Sieben Jahre später schlägt der Frauenmörder erneut zu: Im Jänner 1992 schlägt der Frauenmörder erneut zu. Das Opfer: Die 24-jährige Prostituierte, Renate Rauch. Und nur wenige Monate später wird in Atzwang bei Bozen, die Leiche der 18-jährigen Renate Troger aufgefunden. Ist Marco Bergamo, ein Fünffach-Mörder? Oder laufen die Mörder von Anna Maria Cipoletti und Renate Troger noch frei herum?

Die großen Kriminalfälle V

edition AROB

Am 3. Mai 1994 verabschiedet sich die 23-jährige Monika Mor von ihrem eineinhalbjährigen Sohn und fährt zur Arbeit. An der Kreuzung in Elvas lauert ihr Ex-Freund Thomas Göller. Im Handschuhfach seines Autos liegt ein Pistole. Kurz darauf fallen fünf Schüsse …
Der Mordfall Monika Mor war einer der spektakulärsten Kriminalfälle des 20. Jahrhunderts in Südtirol.
Weiters in Band V: Der Aufsehen erregende Mord an der Kinderdorf-Mutter Maria Moling am Gründonnerstag des Jahres 1982 im Kinderdorf Brixen, sowie zwei Eifersuchtsmorde in Meran und Bozen.

Die großen Kriminalfälle IV

edition AROB

Als drei Carabinieri-Beamte am 11. August 1950 um 05.00 Uhr früh den Tonicher-Stadel in Vals stürmen, richtet Guido Zingerle seine Pistole gegen die Eindringlinge. Doch die Waffe klemmt. Das „Ungeheuer von Tirol“ sitzt in der Falle. Artur Oberhofer rekonstruiert die Geschichte des Frauenmörders Guido Zingerle. Der Triebtäter lauerte seinen Opfern im Wald auf, verschleppte sie in Höhlen, vergewaltigte sie – und ließ die Frauen eines langsamen Todes sterben, indem er sie mit schweren Steinen zudeckte. Der Sexualmörders Guido Zingerle war der Inbegriff des Bösen, das sich im heiligen Land Tirol eingenistet hatte.

Die großen Kriminalfälle III

edition AROB

Drei Wochen lang hält der Serienkiller von Meran im Februar 1996 Land und Leute in Atem. Sechs Morde in 22 Tagen – nie zuvor hatte ein Serial Killer mit einer derartigen Frequenz zugeschlagen. Im dritten Band aus der Reihe „Die großen Kriminalfälle“ rekonstruiert Artur Oberhofer eine der spektakulärsten Mordserien des 20. Jahrhunderts in Südtirol, ja in Europa.
Des weiteren in dem Buch: Der Giftkrimi in Kaltern und der Doppelmord in Sterzing.

Die großen Kriminalfälle II

edition AROB

In der Nacht auf den 7. November 1973 wurde im Widum von St. Gertraud im Ultental die 64-jährige Pfarrhaushälterin Luise Fliri Platzgummer ermordet. Der Mord löste in der Südtiroler Öffentlichkeit und weit über die Grenzen hinaus großes Entsetzen aus. Der Mord hinter geweihten Mauern wurde im frommen Südtirol als Entweihung empfunden.
Ein Sakrileg. Wenige Tage nach der Bluttat von St. Gertraud wurde Pfarrer Josef Steinkasserer unter Mordverdacht in Haft genommen.
Ein Geistlicher als Mörder?

Die großen Kriminalfälle I

edition AROB

Es war der Krimi-Knüller des Jahres 2005: Im ersten Band der Reihe „Die großen Kriminalfälle” des 20. Jahrhunderts in Südtirol rekonstruiert Artur Oberhofer acht spektakuläre Verbrechen: Vom Bürgermeister-Mord in Kaltern (1946) über die Giftmorde von Klausen und St. Lorenzen in den 60er-Jahren bis hin zum Aufsehen erregenden Mädchen-Mord von Blumau (Fall Rosa Pichler, 1970).
Krimi-Spannung pur.
Das Buch „Die großen Kriminalfälle” ist in zweiter Auflage erschienen und war monatelang in den Südtiroler Bestsellerlisten.

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